Uhr, Stressverstärker

Stressreduktion: Akzeptieren heißt nicht resignieren

Willkommen zum dritten Teil der kleinen Serie zum Thema Stress! Beim letzten Mal hatte ich Ihnen nahegelegt, sich Gedanken über Ihre Stressverstärker zu machen. Wie ist es Ihnen ergangen mit der Übung? Haben Sie sich die Zeit genommen, sich beobachtet und eine Liste aufgeschrieben? Was können Sie nun aus diesen Erkenntnissen ziehen? Darauf möchte ich in diesem Beitrag eingehen. Denn Sie sind nun schon einen großen Schritt weiter – Sie kennen aus dem Beitrag Stress Ihre äußeren Stressoren und aus dem Artikel Stressfreier leben Ihre persönlichen Stressverstärker. In einem weiteren Schritt können wir uns nun überlegen, inwieweit wir unsere Stressoren akzeptieren können.

Nehmen wir noch einmal das Beispiel vom letzten Mal. Sie sitzen im Konferenzraum, sind pünktlich und warten auf ihre Kollegen, die mal wieder zu spät kommen. Sie erinnern sich? Der externe Stressor hier ist: Ich gerate in Stress, da ich meine Arbeit so organisiert habe, dass ich pünktlich sein kann, obwohl ich einen hohen Zeitdruck habe. Ein persönlicher Stressverstärker könnte sein: Weil ich Pünktlichkeit als einen sehr wichtigen Wert ansehe, setze ich mich auch selbst unter Stress. Wenn ich nun von Akzeptanz schreibe, möchte ich nicht, dass Sie Ihren inneren Wert verändern, resignieren oder die Kollegen darin bestärken sollen, weiter zu spät zu kommen. Es bedeutet vielmehr, dass Sie die Kollegen nicht verändern können, sondern die Situation nur annehmen und überlegen können, wie Sie damit umgehen.

„Das ist eben so.“ Lange habe ich die Aussage nicht verstanden.

Dadurch, dass sie diese Situation so annehmen wie sie ist, vermeiden Sie, dass es in Ihnen anfängt zu brodeln und das Gedankenkarussell sie erwischt. Diese Energie können Sie für wichtigere und viel schönere Dinge nutzen. Sicherlich kennen sie den so schnell dahin gesagten Satz: „Das ist eben so.“ Ich selbst habe ihn sehr lange belächelt und gedacht: wie gleichgültig ist man denn, wenn man so denkt. Doch heute habe ich verstanden, dass es gar nicht um Gleichgültigkeit geht. Nein, es geht eher darum, eine Situation zu akzeptieren und anzunehmen. Wenn ich zum Beispiel mal wieder warten muss, versüße ich mir die Zeit, indem ich bewusst atme oder meine Todo-Liste aktualisiere. Schon ist das Warten für mich erträglich, ich ärgere mich nicht mehr und habe so gut wie gar keinen Stress, wenn mich Menschen warten lassen. Wenn die Kollegen dann da sind, kann ich immer noch den Mund aufmachen.

Akzeptieren nicht resignieren

Fällt Ihnen etwas ein, wie Sie auf Ihre persönlichen Stressverstärker Akzeptanz üben können? Vielleicht sind Sie ein Perfektionist, ihr Umfeld hudelt in Ihrer Wahrnehmung alle Aufgaben nur so dahin. Dann können Sie Akzeptanz nicht damit üben, dass Sie deren Aufgaben korrigieren. Doch vielleicht können Sie akzeptieren, dass die Kolleginnen und Kollegen es für ihren eigenen Anspruch schon bestmöglich gelöst haben. Ein weiterer Gedanke kann auch sein, dass Ihr Anspruch großartig ist, doch der Rest der Welt das gar nicht mitbekommt. Auch hier geht es nicht darum, mögliche Fehler Ihres Umfeldes zu decken und nur mit den Schultern zu zucken, sondern vielmehr darum, sich zu überlegen, dass es für Sie in der Situation eine Herausforderung ist, mit der Hudelei umzugehen.

Sollten Sie damit gerechnet haben, dass ich Ihnen klassische Zeitmanagement-Methoden vorstelle, muss ich Sie leider enttäuschen. Aber ich glaube, dass diese kleinen Stellschrauben im zwischenmenschlichen Umgang bei uns schon so viele Reserven freilegen können. Ich wünsche Ihnen viel Erfolg dabei, sich Stressbewältigungsstrategien zu suchen und auszuprobieren, die genau zu Ihnen und Ihrem Umfeld passen. Halten Sie Ihre Gedanken dazu schriftlich fest, dann haben Sie auch immer wieder die Möglichkeit nachzulesen.