schneller Zug, keine Zeit

Haben wir wirklich keine Zeit?

Es ist Vorweihnachtszeit und es sind nur noch wenige Tage bis zu den Feiertagen und doch frage ich mich, was der Grund dafür ist, dass wir keine Zeit haben? Bei meiner Recherche komme ich bei Wikipedia zu der Aussage: „Die Wahrnehmung der Zeitdauer hängt davon ab, was in der Zeit passiert. Ein ereignisreicher Zeitraum erscheint kurz, ‚vergeht wie im Flug‘. Hingegen dauern ereignisarme Zeiträume manchmal quälend lange. Von dieser Beobachtung leiten sich auch die Begriffe Kurzweil und Langeweile ab.“ Dieser Aussage kann ich zustimmen, aber meine Gedanken treiben mich weiter – wer bestimmt denn über meine Zeit? Bin ich das nicht selbst? Bin ich nicht die Person, die sich Prioritäten setzt oder Dinge schiebt?

Selbstbestimmtes Handeln

Wir sind doch diejenigen, die über uns selbst entscheiden, auch wenn wir manchmal das Gefühl haben, dass uns unsere Mitmenschen, Arbeitgeber, Kinder, Familienmitglieder und Freunde bestimmen. Aber wenn ich weiter nachdenke und ehrlich bin, bin ich es doch ganz allein, die ja oder Nein sagt, die einen Anspruch erfüllen möchte (oder auch nicht). Sicherlich mache ich Dinge für andere, doch wenn ich es tue, dann tue ich es doch bewusst und lasse dafür etwas anderes fallen. Und sicherlich sind manche Dinge auch von unserem Umfeld getrieben. Und doch bin ich für meinen Tag, mein Handeln selbst verantwortlich.

Brauchen wir Zeitmangel?

Doch aus welchem Grund ist es jedes Jahr so ein Stress vor Weihnachten? Eigentlich haben wir doch Routinen, wir wissen lange im Voraus, dass Weihnachten am 24.12. stattfindet, es ist keine Überraschung. Trotzdem kommt es immer wieder plötzlich und unverhofft! Das ist jedoch ein anderes Phänomen, auf das heute nicht eingehen möchte. Vielmehr möchte ich heute auf die gefühlte Tatsache – ich habe keine Zeit – zu sprechen kommen. Könnte es sein, dass Zeitmangel dazugehört in unserer heutigen Gesellschaft? Provozierend gesprochen: Ist das für unser Ansehen, für die Zugehörigkeit, für die Mitsprache wichtig?

„Ich habe keine Zeit“ – eine einfache Ausrede

Haben Sie schon einmal drüber nachgedacht, dass es sich dabei um eine Ausrede handeln könnte? Vor einigen Wochen habe ich irgendwo gehört, dass „keine Zeit haben“ auch als Ausrede angesehen werden kann. Bei dem Gedanken hänge ich nun schon länger. Wir selbst entscheiden doch, was wir machen, brauchen, welche Perfektion wir an den Tag legen etc. Solange wir überzeugt sind, keine Zeit zu haben, haben wir gute Gründe: Wir können Dinge aufschieben, nicht gelungene to dos auf den Mangel an Zeit bzw. auf den aktuellen Stress schieben oder wir müssen nicht so hart Nein sagen, sondern sind „einfach“ nur gestresst. Je länger ich nachdenke, desto mehr stellt sich mir die Frage:

Was wäre, wenn wir mehr Zeit hätten?

Ich behaupte: Unser Problem wäre nicht gelöst, denn wir würden noch perfekter sein und noch mehr erzielen wollen. Unsere Zettel würden noch länger und die Zeit würde immer noch nicht ausreichen. Somit komme ich zum Schluss: Ich lebe lieber meinen Tag in Ruhe, genieße den Moment und akzeptiere die Abstriche, die sich dadurch ergeben. Zugegeben ist es nicht einfach, sich im Wahnsinn der Stadt nicht anstecken zu lassen, doch unter dem Strich schaffe ich genauso viel wie zu alten Zeiten als meine Einstellung noch komplett anders war, und mir geht es einfach sehr viel besser damit. Wie geht es Ihnen? Was ist Ihre Lösung mit dem knappen Gut Zeit umzugehen?

Vielleicht ist dieser kleine Gedankengang ein klitzekleiner Impuls und hilfreich, um sich bewusst zu machen, dass wir Herr bzw. Frau über unsere Zeit sind. Wir haben es in der Hand, ob wir uns die Zeit nehmen oder nicht, ob wir uns stressen oder nicht, ob wir uns die Zeit nehmen lassen oder nicht, was wir machen oder nicht – und wie wir unseren Tag gestalten. Viel Spaß beim Freischwimmen von alten Strukturen!

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