Origami, Papierschwalbe

Wie bitte? Erfolgreich scheitern

Scheitern bedeutet laut Duden: sein Ziel nicht erreichen. Uns misslingt etwas, der erwünschte Erfolg bleibt (erst einmal) aus. Wer mag schon gerne scheitern? Wnd doch gehört es immer wieder dazu, um erfolgreicher zu werden. Wie Henry Ford es schon sagt: „Scheitern ist nur die Möglichkeit, es noch einmal besser zu machen.“ Ist eigentlich auch logisch, denn wenn wir keine Fehler machen, werden wir nicht darauf achten, was wir besser machen können. Wir werden noch nicht einmal merken, dass wir erfolgreich sind, denn es gibt keinen Gegenpool, der uns den Erfolg aufzeigt.

Untersuchungen der Universität Hohenheim (2015) haben herausgefunden, dass bei unternehmerischem Scheitern Männer positiver damit umgehen als Frauen, auch spielt das Alter für die Wahrnehmung des Scheiterns eine Rolle. Jüngere Personen gehen mit Fehlschlägen positiver um. Die kritischste Altersgruppe sind die 60-67 jährigen, die Gelassensten befinden sich im Alter von 30-39 Jahren.

Was heißt Scheitern eigentlich?

Bedeutet scheitern wirklich – wie im Duden definiert –, das Ziel nicht zu erreichen, oder geht es um etwas anderes? Ich denke, jeder wird die Frage nach dem Scheitern unterschiedlich deuten und auslegen. Für den einen bedeutet Scheitern, dass er Weg geradeaus endgültig verstellt wirkt. Für Andere bedeutet es vielleicht nur eine Aufforderung zum zweiten Anlauf. Gehen wir mal vom ersten Fall aus: „Wenn das nun nicht klappt, kann ich einpacken.“ Offenbar hat Scheitern etwas mit Leistung zu tun. Aber wer definiert die Leistung? Es bleibt doch häufig im Unklaren, wer und wie genau Erfolg definiert. Sind wir es nicht sehr häufig selbst? Und ist es nicht deshalb oft so, dass etwas, das für mich ein Scheitern ist, für viele andere ein wahnsinniger Erfolg sein kann? Setzen wir uns nicht häufig das Ziel viel zu großer Erfolge, die nur durch absolute Höchstleistung erreicht werden können?

Ist Scheitern vielleicht nur ein Gefühl?

Scheitern ist doch im Normalfall ein inneres Gefühl. Die, die es in unserer Umgebung mitbekommen, sehen es wahrscheinlich gar nicht so kritisch wie wir selbst. Und doch denken wir häufig schnell an die Anderen, an die Normen, an die Gegebenheiten. Vielleicht scheitern wir dann gar nicht, wenn wir etwas nicht erreichen, sondern wir scheitern, wenn wir aufgeben und resignieren. Nichts mehr dazu lernen zu wollen. Auf die „Aus“-Taste drücken.

Doch was ist der Grund, dass wir für unser Scheitern, unsere Fehler nicht Einstehen wollen?

Kann es damit zu tun haben, dass wir das Gefühl haben, unser Umfeld wartet nur darauf, dass ein erfolgreicher Mensch einen Fehler macht? (Hier spielt auch mal wieder das Thema Glaubenssätze mit rein.) Ist es sowas wie Selbstbestätigung im Sinne von „siehst du, auch erfolgreiche Menschen machen Fehler und scheitern“? Oder geht es auch darum, dass man selbst beim Scheitern menschlicher wird und die doch so häufig getragene Maske besonders im Berufsleben dann bröckelt? Wieso setzt sich das „Scheitern als Problem“ stärker durch als das „aus Fehlern zu lernen“? Es wäre doch viel hilfreicher, würde uns bestärken, einen zweiten Anlauf zu nehmen, mutiger in eine Situationen zu gehen und uns Perspektivwechsel ermöglichen.

Scheitern gibt uns Kraft, Ideen und Anerkennung

Puh, sieht komisch aus und doch meine ich das so. Vor ungefähr einem Jahr bin ich über folgendes Statement gestolpert: „Der Preis der Freiheit ist die Möglichkeit, Fehler zu machen. Doch der größte Fehler ist, in der Abhängigkeit zu verharren.“ Nachdem ich diesen Satz sehr viele Male gelesen habe, hat sich meine Einstellung zum Scheitern und zu Fehlern gedreht. Ok, nicht in jeder Situation, doch gerade in Situationen, die mich vorher extrem geärgert haben und wo es für mich keinen anderen Weg gab als außer immer geradeaus.

Ich bin mittlerweile der Meinung, dass Scheitern uns hilft und es etwas Natürliches ist. Langfristig hilft es mir, neue Perspektiven zu erschließen, Kraft zu tanken und meinen Erfolg zu sehen. Und nicht nur zu sehen, sondern auch anzuerkennen, denn ich kenne den Weg dahinter. Hier haben sich neue Türen, neue Gedanken und auch neue Chancen aufgetan, die ich ansonsten nicht gesehen hätte.

Scheitern als Chance

Mein Tipp: beim nächsten Scheitern feiern sie sich! Schauen Sie, was passiert und welche Türen sich öffnen, welche Ideen und Chancen auf Sie zukommen. Vielleicht auch für einen anderen Weg, einen zweiten (besseren) Versuch etc. Nehmen Sie die Energie, die dadurch entsteht. Stehen Sie auf, handeln Sie selbstverantwortlich und sie werden sehen: weiter geht es.

Werden Sie Freischwimmer.