wert, wert sein. egoistisch

Bin ich es wert, mich freundlich zu behandeln? Oder bin ich dann ein Egoist?

Vor einiger Zeit habe ich über Glaubenssätze geschrieben. Glaubenssätze, die uns immer wieder blockieren und uns ein Beinchen stellen. Einige unserer zentralen Glaubenssätze haben mit Selbstmitgefühl bzw. Selbstliebe zu tun. Wie oft haben Sie in der Kindheit und später im Leben zu hören bekommen: „sei nicht so egoistisch, man muss auch Dinge erledigen, die einem selber keinen Spaß machen…“. So wird Selbstmitgefühl ganz schnell mit Egoismus in Verbindung gebracht.

Und nun frage ich Sie: Was ist daran egoistisch?

Stellen Sie sich vor, Sie sitzen neben einem Kind im Flugzeug. Sie sind mitten über dem Ozean, der Druck fällt ab und Sauerstoffmasken fallen aus der Decke. Was machen Sie?

Diese Frage habe ich häufig in Coachings gestellt und ebenso häufig die Antwort bekommen, dass natürlich als erstes dem Kind geholfen wird. Aber was passiert, wenn Sie nicht schnell genug dem Kind helfen können, da Ihnen der Sauerstoff ausgeht? Richtig, dann bringen Sie nicht nur sich in Gefahr, sondern ebenso auch das Kind. In Ihrem Versuch, sich zurückzustellen, haben Sie weder dem Kind noch sich helfen können. Und nun erinnern Sie sich an die Sicherheitshinweis im Flieger: Erst sich selbst die Maske anlegen, dann anderen helfen. Denn wenn Sie bei vollem Bewusstsein sind, sind Sie handlungsfähig und können dem Kind in vielen Situationen eine viel größere Stütze sein.

Ich gebe zu, es hat bei mir lange gedauert zu verstehen, dass das kein Egoismus ist, sondern ich beim umgekehrten Handeln zwei Personen in Gefahr bringen würde. Zu sehr war ich im Glaubenssatz „ich bin egoistisch, wenn ich an mich denke“ gefangen. Im Anschluss an diese Auflösung kommt dann häufig die Reaktion: „Na, das ist doch ein absurdes und extremes Beispiel!“ Ja, das stimmt, doch es erklärt sehr gut, dass Sie sich in einer guten Balance befinden müssen, um anderen Kraft zu spenden. Es geht nicht um die Extreme Egoismus oder Aufopferung, sondern um eine gesunde Mitte. Was genau verbirgt sich also genau hinter Selbstmitgefühl?

Die Bedeutung von Selbstmitgefühl

Wenn ich von Selbstmitgefühl schreibe, dann meine ich damit eine Form der Akzeptanz. Wir erkennen unsere Gefühle, Schmerzen, Schwächen an, genauso wie unsere Stärken, Freuden oder unsere positiven Seiten. Würden wir unserer Freundin ihre krumme Nase immer wieder auf Brot schmieren? Natürlich nicht, denn die Nase gehört zu Ihr wie ihr Charakter oder ihr Lachen. Selbstmitgefühl gewinnen wir, wenn wir diese Freundlichkeit, Aufrichtigkeit und Wertschätzung, die wir unseren Freunden entgegenbringen, auch uns selbst zukommen lassen. Wenn wir „einfach“ nur gut zu uns sind.

Das hört sich so einfach an und ist doch ein langer Prozess, da wir meistens doch schon lange darauf trainiert sind, uns hintenanzustellen. Nun werden die Mütter unter Ihnen auch denken: „Soll ich etwas mein Kind schreien lassen, wenn ich gerade etwas für mich tue?“ Ein klares Nein, doch sie müssen sich nicht für Ihr Kind aufopfern, sondern Sie haben auch noch ein Leben und Ihr Kind wird Ihnen auch mal verzeihen, wenn nicht alles perfekt ist. Es wird sich nämlich viel mehr freuen, wenn Sie sich Zeit nehmen, in der Sie gute Laune haben und ein herzliches Lächeln statt einer angespannten Stimme weitergeben. Sicherlich ist das nicht immer machbar, doch es ist immer einen Versuch wert, auch sich selbst etwas Zeit und Akzeptanz zu gönnen.

Selbstmitgefühl ist ein großes Thema. Es lässt sich in diesem kurzen Text leider nur kurz als Impuls ansprechen. Aber ich werde sicherlich noch einmal drauf zu sprechen kommen, da es doch für ein gutes Selbstwertgefühl sehr wichtig ist. Denn auch für den Selbstwert benötigen wir Selbstmitgefühl vielleicht sogar Selbstliebe.

Mein kleiner Impuls an Sie:

Probieren Sie es doch einmal aus: behandeln Sie sich so, wie Sie ihren Partner oder Ihre Freundin in schwierigen Situationen behandeln würden. Gehen Sie mit sich selber in einen Dialog und fragen Sie sich: Was würde ich meiner Freundin raten, wenn Sie in dieser Situation wäre. Würde ich so über sie urteilen, wie ich gerade über mich urteile? Würde ich ihr vielleicht raten, einen Termin zu verschieben, um den Stress zu reduzieren? Probieren Sie, diesen Dialog regelmäßig zu führen und denken Sie an unsere Datenautobahnen. Beobachten Sie, was dabei bei Ihnen passiert. Lächeln Sie sich selber einmal an und machen sich ein Kompliment, so wie Sie es mit der Freundin machen, wenn Sie sich wiedersehen. Es besteht eine sehr gute Chance, dass Ihre Laune steigt und Sie sich gleich selbst mehr Wert sind.

Nun haben Sie einige Tipps und vor allem meine persönlichen Erfahrungen kennengelernt. Sollten dieser Impuls Ihnen gefallen haben, dann bestellen Sie doch meinen Newsletter: Die Flaschenpost. So erhalten Sie meine Flaschenpost und werden über die aktuellen Impulse informiert. Sollte Ihnen das Selbstcoaching nicht weit genug gehen, nehmen Sie gerne Kontakt mit mir auf.

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