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Du oder Ich, womit komme ich weiter?

Wir kommen immer wieder in die Situation, dass wir Kollegen, Freunden oder Bekannten etwas kritisches sagen möchten oder sogar müssen, weil wir mit dem Verhalten nicht zufrieden sind. Kritik äußern ist immer unangenehm. Deshalb habe ich bereits vor einiger Zeit einen Artikel zur Äußerung von Kritik geschrieben. In dem Eintrag gibt es Impulse, wie Sie optimal das Gespräch gestalten können. Doch hier geht es nicht nur um eine gute Gesprächsführung, sondern auch vielmehr darum, nicht zu beleidigen oder anzuklagen. Denn Ziel des Gespräches soll doch sein, dass unsere Mitmenschen unsere Äußerung und Kritik gut verstehen und optimalerweise auch etwas verändern. Eine häufige Art von Kritik ist folgende Form der Äußerung: „Du bist ja schon wieder zu spät.“ Gerne wird mit Du-Botschaften gearbeitet und das auch häufig noch mit der Ergänzung – „Warum?“.

Bereitschaft zur Veränderung erzeugen

Was passiert bei unserem Gegenüber, wenn wir mit einer Du-Botschaft um die Ecke kommen? Wir erzeugen sehr häufig einen Widerstand, der unser Gegenüber eher zum dicht machen bringt. Allerdings ist es doch notwendig, das unser Gegenüber bereit ist, uns zuzuhören und nicht zu blockieren. Deshalb macht es Sinn, sich zwei Dinge im Vorfeld zu überlegen. Erstens: Wie klage ich nicht an? Zweitens: Wie erhalte ich die Offenheit meines Gegenübers, damit meine Kritik optimalerweise auch etwas bewirkt.

Dafür wenden wir die Technik der Ich-Botschaft an. Somit können wir erreichen, dass es zu keinem Angriff kommt und wir ein impliziteres „Ja“ in Form vom Zuhören erhalten. Wir schaffen eine Bereitschaft, uns zuzuhören. Gehört haben Sie sicherlich schon von Ich-Botschaften und haben auch bestimmt eine Vorstellung davon, wie sie angewendet werden. Da wir aber doch sehr häufig zu Du-Botschaften oder versteckten Du-Botschaften tendieren, ist es sinnvoll, sich diese zuerst noch einmal anzuschauen.

Die Du-Botschaft

„Du kommst immer zu spät“ oder „Ich finde, dass du dich unmöglich benimmst.“ Bei beiden handelt es sich um eine Du-Botschaft, die unseren Gegenüber anklagt, den Selbstwert angreifen kann, Widerstand provoziert oder verletzt. Sie wird als Tadel oder Anklage empfunden. Die Äußerungen weisen auf ein Fehlverhalten des Anderen hin und führen deshalb nicht selten zu einem inneren Widerstand. Wir erzeugen beim Gegenüber eine Nein-Haltung und Blockade. Es wird vermutlich schneller zu einem Konflikt kommen als zu einer Lösung. Die offene Du-Botschaft („Du kommst immer zu spät“) wird immer schnell erkannt und häufig versucht zu vermeiden. Doch in die Falle einer verdeckten Du-Botschaft („Ich finde, dass du dich unmöglich benimmst.“)  zu tappen, passiert häufig und schnell. Erkennen können Sie das, wenn Sie den Satz zwar auf sich beziehen (wie ich finde, fühle, denke etc.) und dann mit einer Du-Botschaft weitermachen.

Perfekte Ich-Botschaften

Wie sieht denn nun eine perfekte Ich-Botschaft aus? Wie sollten wir Kritik formulieren, ohne in die versteckte Du-Botschaft zu geraten?

Im ersten Schritt gehen wir erst einmal von uns aus. Was ist mein Eindruck, was habe ich beobachtet? Hier sollte allerdings darauf geachtet werden, dass wir nicht bewerten. Sondern es geht im ersten Teil wirklich nur um unsere Beobachtung. Beziehen wir das auf unser Beispiel von oben („Du kommst immer zu spät.“): Hier könne eine meiner Beobachtungen sein: „Ich habe nun zum vierten Mal in Folge 20 Minuten auf Dich gewartet“. 

Nach dieser Beobachtung geht es im zweiten Schritt um unser eigenes Gefühl. Wie fühlt es sich an, dass ich immer warten muss? Im Beispiel: „Ich fühle mich nicht ernst genommen.“ Auch hier ist es optimal so, dass wir auf versteckte Bewertungen verzichten.

Nun habe ich bereits eine Beobachtung aus meiner Perspektive, habe mein Gefühl, das erzeugt wurde und nun gehört in eine gute Ich-Botschaft mein eigenes Bedürfnis. Was ist mein tatsächliches Bedürfnis? Um hier wieder am Beispiel zu bleiben: „Mir geht es darum, dass ich wenig Zeit habe und die, die ich habe, möchte ich sinnvoll nutzen.“

Allerdings ist es schön, dass ich nun kund gegeben habe, was ich beobachtet, empfunden und welches eigentliche Bedürfnis ich habe. Was folgt daraus? Was ist nun der Wunsch an mein Gegenüber? „Ich wünsche mir, dass ich nicht mehr sinnlos warten muss, wenn wir uns treffen.“ 

Zusammengesetzt würde meine Ich-Botschaft nun so lauten:
„Ich habe nun zum vierten Mal in Folge 20 Minuten auf Dich gewartet. Ich fühle mich nicht ernst genommen. Mir geht es darum, dass ich wenig Zeit habe und die, die ich habe, möchte ich sinnvoll nutzen. Ich wünsche mir, dass ich nicht mehr sinnlos warten muss, wenn wir uns treffen.“

Und was denken Sie? Ja, es ist sehr viel länger als: „Du kommst immer zu spät“. Aber am Beispiel wird schnell klar, dass unser Gegenüber vermutlich sehr viel mehr mit der Ich-Botschaft anfangen kann.

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